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Interview mit Martin Wurzenrainer

vom Verein Projekt Integrationshaus

Wer bist du?

Martin Wurzenrainer, fachlicher Geschäftsführer des Vereins Projekt Integrationshaus.

Teile einen eher unbekannten Insight über eure Organisation mit uns.

Wir sind stolz auf unser multiprofessionelles Team aus den verschiedensten Berufsgruppen, von den Sozialpädagog*innen bis hin zu Psycholog*innen oder  Trainer*innen, u.v.m. So können wir konkret auf die Bedürfnisse der Schutz- und Hilfesuchenden in den unterschiedlichen Fachbereichen eingehen. Wichtig ist uns dabei die Mehrsprachigkeit – unser gesamtes Team spricht über 40 verschiedene Sprachen.

Warum bist du im Dachverband Wr. Kinder- und Jugendhilfeträger engagiert?

Das Integrationshaus arbeitet für Chancengerechtigkeit, Schutz und Stabilität für geflüchtete Menschen und Migrant*innen – Werte, die eng mit den Zielen der Kinder- und Jugendhilfe verbunden sind. Unser Engagement im Dachverband ermöglicht den Austausch und die Zusammenarbeit aller Wiener Träger. Das stärkt fachliche Synergien und erleichtert gemeinsame Projekte. Als Mitglied profitiert das Integrationshaus von einer starken gemeinsamen Stimme gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.

© Kinderbüro

Erzähl uns bitte von 1 – 3 wichtigen Projekten, die gerade in eurer Organisation laufen?

Caravan – Wohngemeinschaften und einewelt-WG: Im Integrationshaus begegnen Kinder und Jugendliche einem Ort, der ihnen Sicherheit, Orientierung und ein Stück Normalität schenkt – besonders dann, wenn sie vieles hinter sich lassen mussten. So sind beispielsweise für unbegleitete minderjährige Geflüchtete unsere sozialpädagogischen Wohngemeinschaften oft der erste stabile Ankerpunkt. Sie leben hier gemeinsam mit anderen Kindern und Jugendlichen in einem geschützten Rahmen, begleitet von Sozialpädagog*innen und Betreuer*innen, die rund um die Uhr für sie da sind. Der Alltag ist klar strukturiert: gemeinsames Kochen, Lernen, Freizeitaktivitäten und Gespräche schaffen Rituale, die Halt geben. Gleichzeitig bleibt genug Raum, um individuelle Bedürfnisse wahrzunehmen – sei es Unterstützung beim Erwerb der deutschen Sprache, beim Ankommen in der Schule und Ausbildung oder einfach ein offenes Ohr nach einem schwierigen Tag finden.

Offenes Kinderbüro für geflüchtete Kinder: Stabilität ist auch für jene Kinder und Jugendliche besonders wichtig, die mit ihren Eltern nach Österreich geflüchtete sind. Für sie gibt es im Integrationshaus das offene Kinderbüro der Kinderpsychologin – einen Raum, der sich bewusst niedrigschwellig anfühlt. Kinder können einfach vorbeikommen, ohne Termin, ohne Druck. Manche malen, andere spielen, wieder andere erzählen von ihren Sorgen oder schweigen erst einmal. Die Psychologin begleitet sie behutsam, beobachtet, stärkt und gibt ihnen Werkzeuge in die Hand, um mit dem Erlebten umzugehen. Für viele ist dieses Büro ein Ort, an dem sie zum ersten Mal spüren, dass ihre Gefühle Platz haben dürfen.

S.O.S.-Stabilisierung ohne Sprache: Für jene geflüchteten Kinder und ihre Familien, denen Worte noch schwerfallen – sei es aufgrund von Sprachbarrieren oder traumatischen Erfahrungen – gibt es das Projekt S.O.S. – Stabilisierung ohne Sprache. Dieses Projekt ist ein mobiles Angebot des Integrationshauses in anderen Flüchtlingseinrichtungen in Wien. Hier stehen nonverbale Methoden im Mittelpunkt: kreative Ausdrucksformen, Körperarbeit, spielerische Interventionen. Die Kinder und Jugendlichen lernen, innere Anspannung abzubauen, Vertrauen aufzubauen und wieder Zugang zu ihren eigenen Ressourcen zu finden. Oft entstehen in diesen Einheiten kleine Momente der Leichtigkeit, die zeigen, dass Heilung auch ohne Worte beginnen kann

Welche aktuellen Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe beschäftigen dich gerade?

Bei unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten beschäftigt uns schon seit vielen Jahren das Thema Obsorge ab Tag 1. Es war bereits bei der Vorgängerregierung Koalitionsprogramm und jetzt auch bei der aktuellen. Umgesetzt wurde allerdings noch immer nichts. Auch beschäftigt uns die schwierige Situation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien und das zu geringe Angebot an sozialtherapeutischen und sozialpsychiatrischen Betreuungsplätzen.